Geschichte der Trinitatiskirche | Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Berlin-Charlottenburg

Entstehung der Kirche

Am Ende des 19. Jahrhunderts, bedingt durch die rasante Bevölkerungsentwicklung und den Ausbau der Berliner Stadtbahn, kam es in der Region um den Stuttgarter Platz zu einer regen Bautätigkeit. Ganze Straßenzüge mit zum Teil prächtigen Jugendstilmietshäusern wurden errichtet. Diese Bautätigkeit hatte auch Folgen für die Charlottenburger Luisengemeinde, zu deren Gemeindegebiet dieser Teil Charlottenburgs gehörte.

 

Die Pfarrer der Luisenkirche, der ältesten Charlottenburger Kirche, konnten das größer gewordene Gemeindegebiet nicht mehr seelsorgerlich versorgen. Daher beschloss die Luisengemeinde im Jahre 1895 eine Auspfarrung einzelner Gemeindebezirke, um eine Filialgemeinde zu gründen und den Bau einer eigenen Kirche voranzutreiben. Als Bauplatz der Kirche, die später Trinitatiskirche genannt wurde, wählte man den heutigen Karl-August-Platz aus, der erst durch die bauliche Erschließung dieses Viertels entstanden war. Die Trinitatiskirche ist so ein typisches Beispiel für die vielen, im Zusammenhang des Bevölkerungswachstums in der damaligen Reichshauptstadt entstandenen Kirchenneubauten.

 

Architektur

Die Kirche wurde von Johannes Vollmer, der damals Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg war, zusammen mit dem Architekten Heinrich Jossoy entworfen. Vollmer stand bei seiner Sakralarchitektur ganz in der Tradition des Eisenacher Regulativs, nach dem für den evangelischen Kirchenbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders neoromanische und neogotische Stile bevorzugt wurden. In Berlin baute er vor der Trinitatiskirche die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Tiergarten (1892-1895, im Zweiten Weltkrieg zerstört), die Wichern-Kirche und die Friedhofskapelle auf dem Luisenfriedhof III.

 

Die Architekten schufen mit der Trinitatiskirche eine moderne protestantische Predigtkirche. Sie wählten als Grundrissform nicht den traditionellen Grundriss eines griechischen oder römischen Kreuzes, sondern einen Zentralraum, der den Gedanken, dass die Predigt im Zentrum des evangelischen Gottesdienstes steht, aufnimmt. Dadurch entstand ein moderner, saalartiger Gottesdienstraum (für damals ca. 1200 Besucher) mit großen, hellen Fenstern. Im äußeren ist dieser Zentralbau nicht ohne weiteres erkennbar, der Besucher wird ihn aber, wenn er ins Kircheninnere geht, unschwer wahrnehmen.

1898 wurde die Trinitatiskirche eingeweiht, ein Jahr später konstituiert sich die Trinitatisgemeinde als eigene Kirchengemeinde. Die Trinitatiskirche erfuhr in der Weimarer Republik zahlreiche Veränderungen im Innern: die ursprünglichen Wandmalereien, die an byzantinische Vorbilder erinnerten, wurden durch florale Motive im Stil eines Lebensbaumes ersetzt, im Altar wurde eine Christusstatue aus Marmor, die der Berliner Bildhauer Emil Cauer angefertigt hatte, aufgestellt. Diese Staue hat ihr Vorbild in den Großplastiken des dänischen Bildhauers Bertil Thorwaldsen. Nachdem sie von 1953 bis Anfang April 2015 verloren im rechten Turmraum stand, kann sie nun wieder im Vorraum der Kirche bewundert werden.

 

Zerstörung und Wiederaufbau

Zwischen 1943 und 1945 wurde die Kirche mehrfach durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Gemeinde zusammen mit dem Berliner Konsistorium daran, Mittel für den Wiederaufbau dieser wichtigen Charlottenburger Kirche einzuwerben. Im Jahre 1953 konnte die Trinitatiskirche wieder in Dienst genommen werden. Während das Äußere der Kirche beim Wiederaufbau unverändert blieb, wurden im Innenraum erhebliche Veränderungen zur ursprünglichen Trinitatiskirche vorgenommen.

 

Es entsprach dem Zeitgeschmack, dass nach dem Krieg auf jegliche Wandmalereien verzichtet wurde, der Innenraum wurde schlicht gehalten, die Kanzel an die rechte Wandseite verlegt, ein schlichtes Holzkreuz war neben der großen Rosette der einzige Schmuck im Apsisbereich. Auch auf die Emporen verzichtete man zuerst, sie wurden erst 1959 wieder eingebaut. Im Jahre 1962 baute die Firma Walcker aus Ludwigsburg eine neue dreimanualige Orgel mit 39 Registern. Die Orgel der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt/Oder hatte den Krieg leicht beschädigt überstanden, aber nach dem Krieg wurde sie durch Plünderungen so verwüstet, dass eine Restaurierung nicht mehr möglich war.

 

Ebenfalls 1962 wurde das große Altarkreuz im Chorraum angebracht, ein Werk, das der Künstler Otto Flath im Jahre 1961 geschaffen hatte. Flath stammte ursprünglich aus der Nähe von Kiew und kam zusammen mit seiner Familie 1919 nach Kiel, hier studierte er später an der dortigen Kunst- und Gewerbeschule. Anfang der 30er Jahre schloss er sich der Künstlergemeinschaft um Ellen und Willy Burmeister in Bad Segeberg an. Um die Wirkung des großen Kreuzes in der Trinitatiskirche nicht durch die große Rosette zu beeinträchtigen, wurde die große Rosette um 75 % verkleinert. Die beiden, die Rosette flankierenden runden Emporenfenster wurden verblendet, die beiden Spitzbogenfenster hinter dem Altar bis zum Boden heruntergezogen. Das Kreuz zeigt das zentrale Thema der reformatorischen Verkündigung, die Christusfigur. An den vier Enden des Kreuzes sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen: der Engel für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Die Höhe des Kruzifixes beträgt 5,20 m, die Breite der Kreuzesarme 3,40 m. und wurde aus einem Lindenbaumstamm herausgeschlagen.

 

Otto Flath schuf noch zwei weitere Bildwerke für die Trinitatiskirche. Dort, wo sich heute „Die Trauernde“ von Otto Flath befindet, war früher ein Sandsteinrelief mit einem Stahlhelmkopf eines Soldaten zu sehen; das Relief trug die Inschrift: „Den Toten Helden 1914 – 1918“.

 

Es galt für die Gemeindeleitung, das Leiden und die Trauer darzustellen, die durch einen Krieg hervorgerufen werden. So zeigt die Trauernde, dass sie bergend ihren Mantel um eine angedeutete Gestalt hüllt. Ihre Haltung ist die einer demütig betenden Person, die wohl weiß, dass der Trost für erlittenes Weh nicht aus uns selber kommen kann.

 

Der Künstler wollte mit der Plastik „Die Trauernde“ deutlich machen, dass Leid und Trauer nicht das letzte Wort behalten: wir Menschen können bei allem, was uns bewegt, im Gebet den Blick auf Gott richten.

 

Das dritte Kunstwerk von Otto Flath ist der Taufstein, der an seinem oberen Rand das Jesuswort festhält: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Die sichtbaren Engelsgestalten machen deutlich, dass die getauften Kinder oder Erwachsenen unter dem biblischen Wort aus Psalm 91 stehen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“.

 

In den Jahren von 1962 bis 1970 wurden neue Kirchenfenster eingebaut. Die großen Fenster auf der linken und rechten Emporenseite schufen Alexander Bader und Peter Berndt. Die Rosette im Altarbereich entwarf der Berliner Künstler Hermann Kirchberger, der an der Preußischen Akademie der Künste Meisterschüler von Ernst Pfannschmidt war. Nach dem Krieg war Kirchberger zunächst Professor an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar, wurde aber dort wegen des Formalismusverdachts seiner Arbeiten entlassen. Er kehrte 1951 nach Berlin zurück und schuf nicht nur die Fenster für die Trinitatiskirche, sondern auch für die St. Annenkirche in Dahlem und für das St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof.

 

Das zweite große Bildprogramm (zwanzig Fenster unterhalb der Emporen) in unserer Kirche stammt von Fritz Ebeling, der aus Bitterfeld stammte. Er sah Anfang der 50er Jahre als Künstler in der damaligen DDR keine Zukunft mehr, weil seine Formensprache nicht den Wünschen der SED-Kunstpolitik entsprach. Fritz Ebeling schuf mit den zwanzig Bildern einen Zyklus, der sich mit dem Thema der heilen und unheilen Welt befasst. Damit traf Ebeling einen Kern der biblischen Botschaft Alten und Neuen Testaments und das Bildprogramm gibt uns Fragen auf, über unser Tun in dieser Welt nachzudenken. Fritz Ebeling starb am 7. Juli 2011 in Berlin.

 

Aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Trinitatiskirche wurde das Kircheninnere umfassend renoviert. Die Emporenbrüstung wurde unter Aufnahme des historischen Vorbildes rekonstruiert, der Fußboden mit Steinplatten verlegt und der Altar aus der Apsis in das Kirchenschiff versetzt, um einen besseren Kontakt von Prediger und Liturg zur Gemeinde zu ermöglichen. Anstelle der früheren Kanzel wurde ein Predigtpult aufgestellt. Dieser Altar und das Predigtpult wurden im Jahre 2011 durch den Berliner Tischlermeister Oliver Hannemann in Anlehnung an die früheren Ausstattungsstücke neu gestaltet. Heute stehen der Altar, die Taufe und das Pult wieder in der Apsis.

 

Die Chronologie in der Zusammenfassung

  • 1898 Einweihung der Trinitatiskirche
  • 1899 Bildung der selbständigen Trinitatisgemeinde
  • 1917 Hinter dem Altar wird eine überlebensgroße Christusstatue des Bildhauers Emil Cauer aufgestellt. (Marmorplastik im klassizistischen Stil)
  • 1928 Die Aufstellung führt zu einer großen Umgestaltung des Altarraumes. Seine überreiche Vielfalt in Bemalung und Architektur wird zugunsten einer zurückhaltenden, an den architektonischen Grundformen orientierten Gestaltung verändert, der Altarraum dadurch als eigenständiger Bereich abgesetzt.
  • 1943 - 1945 Zunehmend schwere Beschädigung der Kirche durch Bomben. Bei der Eroberung Berlins schließlich Zerstörung bis auf Außenmauern und Turm.
  • 1953 Wiedereinweihung der von 1951 an wiederaufgebauten Kirche.
  • Äußeres: Gegenüber dem ursprünglichen Zustand kaum Veränderungen, lediglich der Dachreiter der Vierung fehlt.
  • Inneres: Völliger Neuaufbau der alten Raumstruktur in schlichter, sparsamer Ausführung, weißer Anstrich. Verlegung der Kanzel auf die rechte Schrägwand. Hinter dem Altar jetzt ein einfaches Holzkreuz. Wiederherstellung der Emporen erst 1959.
  • 1962 Einbau der neuen Orgel. Im Zuge der Anschaffung des jetzigen Altarkreuzes, einem Werk des Künstlers Otto Flath, wird der Altarraum und die Ostfront umgestaltet: Um die Wirkung des Kreuzes nicht durch die große Rosette zu beeinträchtigen, wird diese um 75% verkleinert. Die beiden, die Rosette flankierenden Emporenrundfenster werden verblendet, die beiden Spitzbogenfenster hinter dem Altar bis zum Boden heruntergezogen.
  • 1962 - 1970 Neuverglasung der Fenster
  • 1998 Renovierung des Kircheninnenraumes anlässlich des 100jährigen Jubiläums. Die Emporenbrüstung wird in Anlehnung an das historische Vorbild neu gestaltet, der Fußboden mit Steinplatten belegt, der Altar aus dem Altarraum in das Kirchenschiff vorgezogen. Statt der Kanzel gibt es ein Predigtpult.
  • 2001 Die Zeiger der Kirchturmuhr wurden nach der Restaurierung wieder angebracht.
  • 2005 Der Kirchturm wird neu gedeckt.
  • 2014 Der Altar kommt wieder an seinen ursprünglichen Platz iin der Apsis, aber nicht direkt unter das Kreuz.
    Auch der Taufstein und das Predigtpult stehen wieder dort. 
  • 2014 Die Christusstatue steht wieder im Vorraum der Kirche.
  • 2016 Generalüberholung der Orgel
  • 2017 Das Kirchendach wird neu gedeckt.
  • 2018 Das Turmkreuz muss abgenommen werden und wird restauriert.
     

Die Orgel

An Stelle der im Krieg zerstörten Orgel (Fa. Sauer, 30 Register) wird 1962 eine neue Orgel (Fa. Walcker, 39 Register, 3 Manuale) eingebaut. Die Farbigkeit ihres Klanges kommt in der ausgezeichneten Akustik des Kirchenraumes besonders gut zur Geltung.

 

Glocken

An Stelle der 1917 abgelieferten drei bronzenen Glocken hängen heute drei stählerne Glocken aus dem Jahre 1924 im 70 m hohen Turm der Kirche.
Ton c (3300 kg) “Ehre sei Gott in der Höhe”
Ton es (1900 kg) “Kommet her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid”
Ton f (1300 kg) “Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und stark”

 

   

 

Holzkruzifix

Das Kruzifix von Otto Flath (1906–1987), das 1961 in unserer Kirche angebracht wurde, erfüllt den ganzen Altarraum. Es ist aus einem alten Birkenstamm geschnitzt. In der Weise alter Meister zeigt es in der Mitte Christus, an den vier Kreuzenden sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen (Engel für Matthäus, Löwe für Markus, Stier für Lukas, Adler für Johannes). Die Besonderheit des Kruzifixes ist darin zu sehen, dass Flath nicht den gewohnten, leidenden Christus mit der Dornenkrone gefertigt hat, sondern den Christus, der eigentlich als Gekreuzigter schon auferstanden ist. Zur Darstellung dienten ihm: Die aufrechte Haltung; anstelle der Dornenkrone ein geflochtener Kranz; ein vollständiges Gewand; keine Nägel sondern Löcher an den Stellen der Kreuzigung an Händen und Füßen. Die Höhe des einzigartigen Kruzifixes beträgt 5,20 m, die Breite der Kreuzesarme 3,40 m.

 

Bildrechte: img_2140.jpg / kreuz.jpg / img_2462.jpg / img_2193_neu.jpg / /img_0468.jpg / img_0484_1.jpg © Olaf Kuntze
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