Bibelwoche: Deuteronomium | Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Berlin-Charlottenburg
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Mittwoch, 12. Februar 2020, 19:00 - 20:30 Uhr

Bibelwoche zum Deuteronomium vom 10. bis 14. Februar 2020

Das „Deuteronomium“ ist der Tradition der Septuaginta und Vulgata nach das „zweite Gesetz“. Heißt das, wir haben es hier mit einer reinen Gesetzessammlung zu tun und studieren ein Gebot nach dem anderen? In der jüdischen Tradition heißt dieses Buch debarim – Worte. Es sind die Worte, die Mose zu Israel zum Abschied spricht; sozusagen sein Testament. Diese Worte sollen Israel für den Einzug ins Land vorbereiten. Dazu gehören natürlich Gesetze, nicht zuletzt die zehn Gebote, dazu gehört allerdings auch die Zusage von Gottes Liebe zu seinem Volk. Es geht um das Zusammenleben Israels als einem Volk von Geschwistern und darin begründet liegt die soziale Gerechtigkeit und Fürsorge für den Schwachen. Es geht um eine eigene Gesellschaftsordnung. 

Das Deuteronomium unterlag einem längeren Wachstumsprozess. Diesen gilt es auch in der Bibelwoche nachzuvollziehen. Hinzu kommt die Frage, inwieweit das Deuteronomium Bezüge zu den großen Rechtstraditionen der Nachbarvölker aufweist und sich seine spezifische Gestalt als Bundesdokument von daher erklären lässt.  Das Deuteronomium ist theologisch zentral. Gern wird es als Mitte des Alten Testaments bezeichnet. Es systematisiert theologische Leitgedanken zum Glauben an den einen Gott Israels und an den Bund mit seinem Volk. Es lässt den Kult zu einem Fest werden, das einladend ist für Fremde. Das Deuteronomium ist jedoch in verschiedener Hinsicht auch ein herausforderndes Buch. Die Abweisung fremder Völker und ihrer Kulte ist aus religionsgeschichtlichen Gründen vielleicht zu erklären, bedarf heute aber der kritischen Reflexion. Mit seiner radikalen Forderung nach Fürsorge für die schwachen Glieder der Gesellschaft lädt das Deuteronomium hingegen auch zu einer Anfrage an unsere Gesellschaft ein. 

Das Deuteronomium ist das zentrale Buch des alttestamentlichen Kanons. Mose hinterlässt für das Volk Israel am letzten Tag vor seinem Tod mit eigenen Abschiedsreden eine Art Relecture des Gesetzes, deren Theologie sowohl das Judentum als auch das Christentum maßgeblich beeinflusst hat. Die Interpretation des Deuteronomiums hängt mehr noch als die jedes anderen biblischen Buches, von dem hermeneutischen Kontext ab, den man voraussetzt. Denn es bildet im jetzt vorliegenden Kanon das letzte Buch des Pentateuchs, hat aber auch sachliche wie literarische Verknüpfungen zu historischen Büchern des Alten Testaments (von Josua bis 2Könige). Letztere begründen Martin Noths einschlägige, aber nicht unwidersprochene These eines sogenannten deuteronomistischen Geschichtswerkes, in dem das Deuteronomium als zentrale Sammlung und Kern eines von Dtn bis 2Kön reichenden Werkes darstellt. In religionsgeschichtlicher Hinsicht war das Deuteronomium seit de Wette im 19. Jh. ein fester Meilenstein in der Debatte um die Ursprünge von Kultzentralisation und des Monotheismus in Israel, da der vermutlich ursprüngliche Kernbestand des Deuteronomiums (das sog. Ur-Deuteronomium), gerne als Reflexion oder Ausgangspunkt bestimmter religionsgeschichtlicher Entwicklungen interpretiert wurde.

Die Texte der Bibelwoche wollen in das Deuteronomium einleiten, die literaturgeschichtlichen und historischen Kontexte behandeln sowie seine Theologie, seine religionsgeschichtliche Relevanz sowie Aktualität entfalten.

Die Wirkungsgeschichte des Deuteronomiums hat immense geistes- und theologiegeschichtliche Wirkung entfaltet, nämlich die Verbindung von Rechtstexten und predigtartiger Unterweisung (Paränese) und es hat die Frömmigkeit des Judentums tief beeinflusst. Der liturgisch wichtigste Text des Deuteronomiums ist das „schema israel“ (Höre Israel) in Dtn 6,4f., dessen Gebot der Gottesliebe in Verbindung mit dem Gebot der Nächstenliebe aus Lev 19,18 nach Mk 12,28-34; Lk 10,25-37; Mt 22,34-40 von Jesus in seiner Ethik als höchstes Gebot bezeichnet wird. 

Folgende Texte werden behandelt:

10. Februar 2020 – Gott zieht voran (Dtn 31, 1-13)
11. Februar 2020 – Ich bin dein Gott (Dtn 5, 1-22)
12. Februar 2020 – Treue zu Gott (Dtn 6,4-9. 20-25)
13. Februar 2020 – Segen und Fluch (Dtn 7, 1-10; 28,45-57)
14. Februar 2020 – Dankbarkeit (Dtn 8).  

Die Teilnehmer erhalten ein kostenloses Arbeitsheft zur Bibelwoche und zusätzliche Materialien, die für das Gesamtverständnis dieses biblischen Buches wichtig sind in Kopien ausgehändigt.

Getränke und kleine Speisen stehen bereit. Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen und auf spannende thematische Diskussionen!  

Ulrich Hutter-Wolandt

Mitwirkende
Pfarrer Ulich Hutter-Wolandt
Ort Leibnizstraße 79, 10625 Berlin