Eine Stunde Orgelmusik zu hören, freitagabends nach einer anstrengenden Woche, ist eines der schönen Dinge,
die man sich gönnen kann. Den Klängen des Orgelspiels zu lauschen, Geist und Seele mitschwingen zu lassen,
da fallen Stress, Ärger und Sorgen von alleine ab.

Mit dem Konzert am 18. April hat uns Choong-Sik Hong wieder ein virtuoses Orgelspiel vorgeführt, das man so schnell nicht vergisst.
Wir hörten zuerst Stücke von Olivier Messiaen, der mit seiner einzigartigen Tonsprache die Orgelmusik des 20. Jahrhunderts
wesentlich beeinflusst hat. Messiaen war Organist an der Sainte-Trinité-Kirche in Paris und Lehrer am Konservatorium.
Mit der „Erscheinung der ewigen Kirche“ wurden uns ungewöhnliche Harmonien vorgespielt, die sich in einem breiten
Spektrum von abstrakter Komposition bis zu ekstatischer Ausgelassenheit bewegten. Zum richtigen Hören und Verstehen
der Musik Olivier Messiaens führte uns Karina Kretzschmar als musikalische Expertin wieder mit vielfältigen Erläuterungen
durch das Konzert. In den Gesängen der Vögel wurde uns eine beispiellose Kompositionstechnik nahegebracht.
Zu Olivier Messiaens Leidenschaften gehörte es, Vogelrufe aus der freien Natur in das temperierte System zu übertragen.
Die Interpretation der Meditation Nr. 5 aus „Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité“ erfüllte den Kirchenraum mit
wunderschönen Klängen zu den sechs Themen „Gott ist unermesslich - Gott ist ewig - Gott ist unwandelbar - das Wehen
des Heiligen Geistes - Der allmächtige Vater - Gott ist Liebe“. Wenn es noch keine Verbindung zwischen der
Sainte-Trinité-Kirche und der Trinitatiskirche gab, so entstand sie am heutigen Abend.

Mit der 6. Symphonie in g-moll von Charles-Marie Widor erlebten wir ein Kunstwerk der neuen Orgelschule Frankreichs.
Widor, Organist an der berühmten Cavaillé-Coll-Orgel in der Saint-Sulpice-Kirche in Paris, schuf die große Form der
Symphonie auf der Orgel, ohne sie zur Nachahmerin der Orchestersymphonie zu machen. Seine Ideen waren stark
beeinflusst von dem Orgelwerk Johann Sebastian Bachs, dass er in Paris bekannt machte. Ein Symphonisches Stück
auf der Orgel zu spielen, stellt eine große Herausforderung an den Künstler dar. Herr Hong hat uns dieses Stück in der
Vielfalt seiner Rhythmen, Klangfarben und Tonstärken hervorragend interpretiert, sodass die Zuhörer/innen von den
zauberhaften Klängen unwillkürlich mitgerissen wurden.

Elisabeth Eggers


Musik in Trinitatis